Unterschriftenfälschung: 29 Fakten und Statistiken (2026)

Adelheid Brockhusen Adelheid Brockhusen · Veröffentlicht am

Eine Unterschrift ist schnell nachgemacht. Trotzdem hängt an ihr noch immer viel: Testamente, Verträge, Grundstücke. Gleichzeitig verlagert sich der Betrug weg vom Papier hin zu Karten, Überweisungen und Phishing.

Hier findest du die wichtigsten Zahlen zu Unterschriftenfälschung, Urkundenfälschung und Betrug in der Schweiz: aus der Kriminalstatistik, von der Nationalbank, aus Gerichtsfällen und aus der Forschung zu Schriftgutachten. Jede Zahl ist mit einer Quelle belegt.

Betrug und Urkundenfälschung in der Schweiz

1. 554'963 Straftaten im Jahr 2025

2025 wurden in der Schweiz 554'963 Straftaten nach Strafgesetzbuch registriert, 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr.1

2. 5,1 Prozent weniger Betrug

Die Betrugsstraftaten gingen 2025 um 5,1 Prozent zurück, die Vermögensstraftaten insgesamt um 3,5 Prozent.2

3. Cyberbetrug: plus 40 Prozent in einem Jahr

Im Jahresbericht 2024 stieg der Cyberbetrug von 30'331 auf 42'505 registrierte Straftaten, ein Plus von 40 Prozent.3

4. 57'761 Straftaten mit digitalem Vorgehen

2025 erfasste die Polizei 57'761 Straftaten mit einem digitalen Tatvorgehen, 2 Prozent weniger als im Vorjahr.4

5. 36'572 Geschädigte

Im Bereich Cyber-Wirtschaftskriminalität wurden 2025 insgesamt 36'572 geschädigte Personen registriert. 81,2 Prozent davon wurden Opfer von Online-Betrug.5

6. Über 60-Jährige am stärksten betroffen

Bei den meisten digitalen Betrugsformen, etwa falschen Unterstützungsanfragen und Romance Scam, war 2025 die Altersgruppe der über 60-Jährigen am stärksten betroffen.6

7. 29'006 Meldungen an das BACS

Im zweiten Halbjahr 2025 erhielt das Bundesamt für Cybersicherheit 29'006 freiwillige Meldungen und 145 meldepflichtige Cybervorfälle.7

8. Mehr als die Hälfte betrifft Betrug

52 Prozent der Meldungen an das BACS im zweiten Halbjahr 2025 wurden dem Phänomen Betrug zugeordnet.8

Karten, Überweisungen und Schecks

9. Die Debitkarte bleibt vorn

Bei Zahlungen vor Ort, an Kasse, Schalter oder Automat, ist die Debitkarte laut Zahlungsmittelumfrage weiterhin das am häufigsten eingesetzte Zahlungsmittel. Eine Unterschrift braucht es dafür kaum noch.9

10. Bargeld verliert 17 Prozentpunkte

Seit 2020 sank der Transaktionsanteil von Bargeld bei den unter 55-Jährigen um rund 17 Prozentpunkte, bei den Personen ab 55 Jahren um 13 Prozentpunkte.10

11. 4,2 Milliarden Euro Zahlungsbetrug in Europa

Der gesamte Zahlungsbetrug im Europäischen Wirtschaftsraum betrug 2024 laut EBA und EZB 4,2 Milliarden Euro.11

12. 1,3 Milliarden Euro Kartenbetrug

Auf betrügerische Kartenzahlungen entfielen 2024 im EWR 1,3 Milliarden Euro. Die Betrugsrate lag bei 0,033 Prozent des Zahlungswerts.12

Gefälschte Unterschriften für Volksinitiativen

13. Rund ein Dutzend Initiativen unter Verdacht

Im September 2024 wurde bekannt, dass bei rund einem Dutzend Volksinitiativen womöglich mit gefälschten Unterschriften betrogen worden ist. Auslöser waren Recherchen der Tamedia-Zeitungen.13

14. Jede dritte Unterschrift gefälscht

Bei kommerziellen Sammlungen erwies sich laut Recherche jede dritte Unterschrift oder Identität auf den Sammelbögen als gefälscht.14

15. Fünf Strafanzeigen der Bundeskanzlei

Seit Oktober 2022 hat die Bundeskanzlei insgesamt fünf Strafanzeigen wegen mutmasslich gefälschter Unterschriften bei der Bundesanwaltschaft eingereicht.15

16. 9'500 verdächtige Unterschriften

Die fünfte Strafanzeige betraf rund 9'500 Unterschriften für fünf eidgenössische Volksinitiativen. Kontrolliert wurden im selben Zeitraum über eine Million Unterschriften.16

17. Eine gefälschte Unterschrift: 30 Tagessätze

In einem Zuger Fall um eine einzige gefälschte Unterschrift gab es eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 110 Franken.17

Erkennen Fachleute eine gefälschte Unterschrift?

18. 3,4 Prozent Fehler bei Fachleuten, 19,3 Prozent bei Laien

In einem australischen Test irrten Schriftsachverständige bei 3,4 Prozent ihrer Urteile über echte und nachgeahmte Unterschriften. Die Vergleichsgruppe ohne Fachwissen lag bei 19,3 Prozent.18

19. Fälschung für echt gehalten: 0,49 Prozent

In einer US-Studie hielten Schriftsachverständige 0,49 Prozent der Fälschungen für echt, Laien 6,47 Prozent.19

20. Echte Unterschrift für falsch gehalten: 7,05 Prozent

Umgekehrt erklärten die Fachleute 7,05 Prozent der echten Unterschriften für unecht, Laien 26,1 Prozent.20

21. Fachleute sagen öfter "nicht entscheidbar"

In einer koreanischen Blindstudie mit vier Gutachtern und 20 Laien lagen die Laien deutlich öfter falsch. Die Fachleute wählten dafür häufiger die Antwort "nicht entscheidbar".21

22. Bis zu 90 Prozent der Online-Autogramme gefälscht

Nach Einschätzung langjähriger Sammler und Händler sind mindestens 80 bis 90 Prozent der seltenen Autogramme im Onlinehandel gefälscht.22

23. Über 400 gefälschte Schiller-Handschriften

Im Prozess gegen den Weimarer Fälscher Gerstenbergk lagen 1856 über 400 gefälschte Schiller-Autographen vor.23

24. 200'000 Unterschriften im Kopf

Der Thurgauer Autogrammhändler Markus Brandes kann über 200'000 Unterschriften auswendig abrufen. Bei jedem neuen Stück geht er erst einmal von einer Fälschung aus.24

Was das Gesetz sagt

25. Bis zu fünf Jahre für Urkundenfälschung

Urkundenfälschung nach Art. 251 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, in besonders leichten Fällen mit bis zu drei Jahren.25

26. Auch die echte Unterschrift eines anderen zählt

Strafbar ist nach Art. 251 StGB auch, wer die echte Unterschrift eines anderen zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt.26

27. Die Unterschrift ist eigenhändig zu schreiben

So steht es in Art. 14 OR. Eine eingefügte Bilddatei ersetzt sie bei Verträgen mit Schriftform nicht.27

28. Digital nur mit qualifizierter Signatur

Gleichgestellt ist nur die qualifizierte elektronische Signatur mit qualifiziertem Zeitstempel.28

29. Testament von Anfang bis Ende von Hand

Ein eigenhändiges Testament muss nach Art. 505 ZGB von Anfang bis Ende mit Jahr, Monat und Tag von Hand geschrieben und unterschrieben sein.29

Eine einfache, schnell kopierte Unterschrift macht es Fälschern leicht. Eine eigenständige, flüssig geschriebene Unterschrift ist schwerer nachzuahmen. Probier verschiedene Stile im Unterschrift-Generator aus oder lass dir eine gestalten.

Häufige Fragen

Wie wird Unterschriftenfälschung in der Schweiz bestraft?

Als Urkundenfälschung nach Art. 251 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. In einem Zuger Fall gab es für eine einzelne gefälschte Unterschrift 30 Tagessätze zu 110 Franken.

Wurden Unterschriften für Volksinitiativen gefälscht?

Ja, der Verdacht betrifft rund ein Dutzend Initiativen. Die Bundeskanzlei hat seit Oktober 2022 fünf Strafanzeigen eingereicht, die letzte zu rund 9'500 Unterschriften.

Wie gut erkennen Fachleute eine gefälschte Unterschrift?

Deutlich besser als Laien. In Studien lagen Schriftsachverständige bei 3,4 Prozent ihrer Urteile falsch, Laien bei 19,3 Prozent. Fälschungen hielten Fachleute nur in 0,49 Prozent der Fälle für echt.

Ist eine eingescannte Unterschrift rechtsgültig?

Für formfreie Geschäfte oft ja, als Ersatz für die gesetzliche Schriftform aber nicht. Dafür braucht es die eigenhändige Unterschrift oder eine qualifizierte elektronische Signatur.

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Quellen

  1. 1Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (Medienmitteilung) (bfs.admin.ch)
  2. 2Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (Medienmitteilung) (bfs.admin.ch)
  3. 3Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik Jahresbericht 2024 (bfs.admin.ch)
  4. 4Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (Medienmitteilung) (bfs.admin.ch)
  5. 5Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (Medienmitteilung) (bfs.admin.ch)
  6. 6Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (Medienmitteilung) (bfs.admin.ch)
  7. 7Bundesamt für Cybersicherheit, Halbjahresbericht 2025/2 (bacs.admin.ch)
  8. 8Bundesamt für Cybersicherheit, Halbjahresbericht 2025/2 (bacs.admin.ch)
  9. 9Schweizerische Nationalbank, Zahlungsmittelumfrage bei Privatpersonen 2025 (snb.ch)
  10. 10Schweizerische Nationalbank, Zahlungsmittelumfrage bei Privatpersonen 2025 (snb.ch)
  11. 11Europäische Bankenaufsicht und EZB, Report on Payment Fraud 2025 (eba.europa.eu)
  12. 12Europäische Bankenaufsicht und EZB, Report on Payment Fraud 2025 (eba.europa.eu)
  13. 13SRF, Möglicher Betrug bei gut einem Dutzend Initiativen (srf.ch)
  14. 14swissinfo.ch, Unterschriften-Bschiss: Die Schweiz hat Lücken im System (swissinfo.ch)
  15. 15Schweizerische Bundeskanzlei, Integrität der Unterschriftensammlung (bk.admin.ch)
  16. 16Bundesanwaltschaft, Bundeskanzlei reicht weitere Strafanzeige wegen Unterschriftenfälschung ein (bundesanwaltschaft.ch)
  17. 17Zuger Zeitung, Eine ziemlich teure Unterschrift (zugerzeitung.ch)
  18. 18Sita, Found und Rogers, Forensic handwriting examiners' expertise for signature comparison, Journal of Forensic Sciences 2002 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  19. 19Kam et al., Signature authentication by forensic document examiners, Journal of Forensic Sciences 2001 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  20. 20Kam et al., Signature authentication by forensic document examiners, Journal of Forensic Sciences 2001 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  21. 21Error rates in forensic handwriting examination of Korean characters, Forensic Science International 2022 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  22. 22Gourmet Report, 80 bis 90 % der Autogramme auf eBay gefälscht (gourmet-report.de)
  23. 23autograph-market.com, Vom Autographensammeln (autograph-market.com)
  24. 24St. Galler Tagblatt, Autogrammhändler Markus Brandes (tagblatt.ch)
  25. 25Fedlex, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 251 (fedlex.admin.ch)
  26. 26Fedlex, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 251 (fedlex.admin.ch)
  27. 27Fedlex, Obligationenrecht, Art. 14 (fedlex.admin.ch)
  28. 28Fedlex, Obligationenrecht, Art. 14 (fedlex.admin.ch)
  29. 29Fedlex, Zivilgesetzbuch, Art. 505 (fedlex.admin.ch)
Adelheid Brockhusen

Über den Autor

Adelheid Brockhusen

Adelheid Brockhusen schreibt über Handschrift, Unterschriften und die Gewohnheiten dahinter. Für jeden Artikel trägt sie die Zahlen aus Studien, Statistikämtern und anderen Primärquellen zusammen und prüft jede Zahl an der Seite, von der sie stammt.

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